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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Statt des Königs zieht das Volk ein – (12.7.2007)

Harald Baumer, Weser Kurier

Selbst wenn ein Staatsgast oder Urlauber nur zwei, drei Stunden Zeit hat für Berlin, dann gehört in der Regel doch das östliche Ende der Prachtstraße Unter den Linden zu seinem Pflichtprogramm. Dort findet er auf wenigen tausend Quadratmetern den Dom, die Staatsoper, die weltberühmte Museumsinsel, die Neue Wache und . . . eine kaum zu übersehende Ruine, aus der Baukräne herausragen. Das war einmal der Palast der Republik, einer der Paradebauten der untergegangenen DDR.In der wiedervereinigten Bundesrepublik hatte "Erichs Lampenladen", so der Spitzname wegen der aufwändigen Beuchtung, nie eine rechte Chance gehabt. Man verübelte dem Palast seine Herkunft aus dem Geiste des SED-Regimes. Und man verübelte ihm vor allem, dass er ausgerechnet auf dem Gelände des früheren Berliner Stadtschlosses errichtet worden war, das die Kommunisten 1950 ohne jedes historische Bewusstsein hatten sprengen lassen.So wurde der DDR-Bau erst im Zuge einer Asbestsanierung entkernt und dann jahrelang so stehen gelassen, bis 2002 der Bundestag beschloss, dass er ganz verschwinden solle. Für 480 Millionen Euro wird an seiner Stelle ein Nachkomme des Schlosses entstehen. Da es heute bekanntermaßen in Deutschland keinen König mehr gibt, musste man gründlich überlegen, womit die 50 000 Quadratmeter denn überhaupt gefüllt werden sollen.Vor wenigen Tagen hat das Bundeskabinett unter Leitung von Angela Merkel den Finanzplan für das "Humboldt-Forum" genehmigt, das in die Hülle des preußischen Palasts einziehen soll. Und siehe da, es brach eine große Schwärmerei aus unter den verantwortlichen Herren. Von einem künftigen "Schaufenster des Weltwissens" sprach Kultur-Staatsminister Bernd Neumann, ein "einzigartiges Universum der Künste und Weltkulturen" sah Verkehrs- und Bauminister Wolfgang Tiefensee heraufziehen.Aber was wird denn für den Berliner und für die vielen Touristen in sechs Jahren dort zu sehen sein? Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst, beides Häuser von Weltrang, werden einziehen. Die Humboldt-Universität will Wissenschafts- und Forschungsgeschichte zeigen. Die Zentral- und Landesbibliothek schließlich will ebenfalls ihre attraktivsten Schätze ausgraben. Klingt alles auf Anhieb nicht nach einem Höhepunkt für die Generation Playstation, hängt aber wohl auch ein wenig von der Art der Präsentation ab.Das arme, bankrotte Berlin könnte nicht einmal die auf 80 Millionen Euro geschätzte Wiederherstellung der Fassade aufbringen.

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