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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Fake und Fassade – (14.01.2007)

Michael Zajonz, Der Tagesspiegel

Vorbild für Berlin? Braunschweig hat sein Stadtschloss rekonstruiert – und ein Einkaufszentrum darin untergebracht.
Makellos goldgelbe Sandsteinplatten schimmern hinter den Baugerüsten am Braunschweiger Bohlweg, einer der Haupteinkaufs- und Einfallstraßen der Stadt. Klassizismus anno 2006, mit handwerklichem Geschick von sächsischen und polnischen Steinmetzen reproduziert, die auch an der Dresdner Frauenkirche mitwirkten. Hier entsteht eine monumentale, über 25 Meter hohe Schlossfassade, am historischen Ort und in historischen Formen.

Säulen und Skulpturenschmuck der Fassade verraten mit ihrer graufleckigen Patina auf den ersten Blick, dass sie älteren Datums sind. Die wie bei der Frauenkirche wieder eingesetzten historischen Fragmente, mehr als 550 Steine, stammen vom „Original“, dem 1831 bis 1838 für Herzog Wilhelm von BraunschweigLüneburg errichteten Residenzschloss. Entworfen hat es Carl Theodor Ottmer, der, bevor er Hofbaumeister in Braunschweig wurde, Schinkel 1825 den Auftrag für die Berliner Singakademie wegschnappte, das heutige Gorki-Theater.
Braunschweig zieht mit seinem Kulturamt, der Stadtbibliothek (600 000 Bände), dem Stadtarchiv (15 laufende Kilometer Akten), einem Schlossmuseum, das der Berliner Kulturhistoriker Wilfried Rogasch konzipiert, sowie einer Außenstelle des Standesamts künftig als Mieter ins „Schloss“: mit rund 120 Mitarbeitern, für über eine Millionen Euro Jahresmiete, schrittweise Eröffnung ist ab 6. Mai 2007. Auch im Humboldt-Forum hinter den rekonstruierten Fassaden des Berliner Schlosses sollen dereinst Museum, Bibliothek und kommerziell nutzbare Veranstaltungs- und Verkaufsflächen unterkommen – allerdings in einem von kulturellen Angeboten dominierten Mischungsverhältnis. Demnächst hält Wilhelm von Boddien, der Promoter der Berliner Schlossrekonstruktion, einen Vortrag in Braunschweig. Sein Thema: Kann Berlin von Braunschweig lernen? Man wird wohl sagen müssen: höchstens als abschreckendes Beispiel.

Anmerkung:
Das Fazit gilt aus unserer Sicht nicht für sinnvolle öffentliche Nutzungen, wie z.B. das genannnte Standesamt.

Weiterführender Link: http://www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/13.01.2007/3018302.asp