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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Ein Schaufenster des Weltwissens – (27.01.2007)

Antje Sirleschtov, Gerd Appenzeller und Klau Kurpjuweit., Der Tagesspiegel

Warum braucht Berlin ein Stadtschloss, Herr Tiefensee? Der Bauminister über Ballast und Fassaden der Geschichte

Im Zentrum Berlins haben preußische Könige mit Schlössern und später die DDR-Führung mit einem „Palast“ Symbole der Macht errichtet. Sie wollen dort nun eine abgespeckte Schlossvariante errichten. Eine Botschaft von Bescheidenheit und Sparsamkeit?

In der Mitte Berlins – unmittelbar neben der historischen Museumsinsel – soll ein Zentrum der kulturellen Begegnung entstehen. Ein Ort, an dem außereuropäische Kultur der neuen Welt und europäische Kultur der alten Welt zusammentreffen. Hier werden die Besucher Kultur nicht nur im herkömmlichen Sinn rezipieren, also betrachten können. Es geht um Begegnung, um einen Marktplatz der Debatte, um ein Forum des demokratischen Diskurses. Wir wollen kein Schloss um des Schlosses willen wiederaufbauen. Es soll ein Forum, das Humboldt-Forum, entstehen. Alles, was sich diesem Gedanken nicht einordnen will, haben wir deshalb aus unseren Planungen herausgenommen. Ja, das spart Kosten und genügt dennoch höchsten Ansprüchen. Das Hotel zum Beispiel schien uns anfangs eine willkommene Möglichkeit zur Verbindung von öffentlichem Interesse und privater Nutzung. Auch finanzielle Aspekte im Sinn öffentlich-privater Partnerschaft spielten eine Rolle. Bei genauerer Betrachtung benötigt dieser Ort für sein Selbstverständnis aber kein Hotel und auch keine üppige Tiefgarage, und in finanzieller Hinsicht ist das Überfrachten des Humboldt-Forums mit anderen Funktionen dem Projekt sogar abträglich. Wir haben die ursprünglichen Pläne also nicht abgespeckt. Wir haben allen Ballast abgeworfen, um uns auf das Wesentliche konzentrieren zu können.
Ein Louvre Unter den Linden?

Kein Louvre, eher ein Musée du quai Branly. Dieses Museum, das am 20. Juni 2006 in Paris eröffnet wurde, zeigt und erforscht Kulturzeugnisse außereuropäischer Gesellschaften. In dem halben Jahr seit seiner Eröffnung hat das Haus bereits über eine Million Besucher gehabt und ist damit zweifellos zu einem kulturellen Zentrum Frankreichs geworden. Das Humboldt-Forum soll eine ähnliche Funktion für Deutschland bekommen – im historischen Kontext und gleichzeitig modern und in unmittelbarer Nähe zur Museumsinsel. Dort können wir künftig einzigartige Zeugnisse der Kunst und Kultur Afrikas, Asiens und Amerikas zeigen. Das wäre ein Schaufenster des Weltwissens und der Weltkulturen in der Tradition Humboldts.

Warum benötigt ein solch moderner Ort eine historisierende Kubatur und auch eine Schlossfassade?

Wir wollen nicht allein ein modernes Museum errichten, sondern einen Ort, an dem die Geschichte erlebbar wird, die sich genau dort abgespielt hat. Das Stadtschloss ist Teil dieser Geschichte. Als es dort stand und auch, als es dort nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Auch das Gebäude, das jetzt gerade dort abgerissen wird, der Palast der Republik, ist ein Teil dieser deutschen Geschichte, die ablesbar sein muss.

Dem Bund wird vorgeworfen, Ostdeutsches abzureißen und damit die Machtübernahme des Westens zu dokumentieren.

Wie sieht Ihr Zeitplan für den Bau aus?

Der Zeitplan ist ehrgeizig. Wir möchten 2010 mit dem Bau beginnen und 2013 damit fertig sein. Einen Beschluss in Kabinett und Parlament streben wir deshalb noch in diesem Jahr an. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück steht unserem konzentrierten Entwurf positiv gegenüber. Abgeordnete signalisieren mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wer wird bezahlen?

Wir rechnen mit rund 480 Millionen Euro Kosten, die zum größten Teil der Bund finanzieren wird. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Herr von Boddien sein Angebot, 80 Millionen Euro Spenden zu sammeln, einlösen wird. Und wir erwarten neben dem Grundstück einen Millionenbetrag vom Land Berlin.

Weiterführender Link: http://www.tagesspiegel.de/fragen-des-tages/archiv/27.01.2007/3045347.asp