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Stadtschloss Berlin Initiative
Wir bauen das Schloss

Wir bauen das Schloss.

Von Löwen, Göttern und Pinselschwüngen – (5.4.2007)

Silke Helling

Von Löwen, Göttern und Pinselschwüngen.
Stadtschloss Berlin Initiative lässt Motiv aus Rittersaal malen.
http://stadtschloss-berlin.de/images/aktuelles/Rittersaalbild-i.Showroom..JPG

Wenn der preußische Monarch auf seinem Thron residierte und nach oben an die barockprächtige Saaldecke schaute, dann sah er wie Baumeister Andreas Schlüter (1659 – 1714) und Maler Johann Friedrich Wentzel die Herrschaft des ersten Königs in Preußen Friedrich I. allegorisch gepriesen hatten. Direkt über dem Herrschersitz befand sich ein Bildausschnitt mit der auf einem Löwen rei-tenden Göttin Pallas Athene. Das Wüstentier mit weit geöffnetem Schlund de-monstrierte kraftvolle Stärke und schien direkt vernehmbar zu brüllen. Wir werden noch von ihm hören!

Im Lustgartenflügel des Schlosses hatte Schlüter mit den sogenannten Paradekam-mern eine symmetrische Audienzsuite geschaffen, deren Zentrum der Rittersaal bil-dete. Benannt war der Raum nach den Rittern des Schwarzen Adlerordens, welchen der erste preußische König am Vorabend seiner Selbstkrönung als Friedrich I. gestif-tet hatte. Der Rittersaal mit seinem Farbklang aus Weiß und Gold gehörte zu den bedeutendsten Raumschöpfungen des Barock in Europa. Seine Ausstattungskunst fand ihren Höhepunkt in der plastischen Darstellung der damals bekannten vier Erd-teile an den Supraporten und dem Verschmelzen von Skulptur und Malerei in den Deckenkehlen des Spiegelgewölbes.

Wo kann man sich über diese verlorenen Schätze informieren, wo einen Blick in die Innenräume des ausradierten Stadtschlosses werfen? Auf der Website www.zi.fotothek.org der Photothek des Münchner Zentralinstituts für Kunstgeschichte finden sich aussagekräftige Farbaufnahmen, wobei allein für den Rittersaal 45 Stück existieren. Als Treppenwitz der Geschichte darf wohl gelten, dass diese Fotodokumente ab 1943 auf Befehl Adolf Hitlers angefertigt wurden, der inzwischen erkannt hatte, dass sich die deutschen Kulturgüter durch seine Kriege zu einer Zielscheibe der Alliierten entwickeln würden. Den barbarischen Rest besorgten dann im Falle des Schlosses die Kommunisten mit der ideologisch motivierten Sprengung des Gebäudekomplexes.

Die Stadtschloss Berlin Initiative wirbt vielfältig für ihre Vision eines Wiederaufbaus. Vorstand Lür Waldmann betont: „Wir setzen auf das historische Original, eben Schloss pur. Deshalb sind wir von der plötzlichen Eile Herrn Minister Tiefensees für seine abgespeckte Version etwas irritiert. Zumal unser Konzept keinerlei Verbrauch von Steuergeldern vorsieht, sondern privates Kapital aktivieren wird.“

In der Argumentation zum „Warum?“ einer Schloss-Kopie erhielt die Initiative unlängst Schützenhilfe von der neuen Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Im Gespräch mit dem Berliner „Tagesspiegel“ vom 02.03.2007 sagte sie: „Es gibt eine Sehnsucht nach gebauter Erinnerung. … Wie kann eine Stadt ihre Seele zurückero-bern? Abbrechen und Wiederaufbau ist für uns ungewöhnlich, … aber der Geist öffnet sich, wenn wir in andere Kulturen schauen. (Das Schloss) … ist ein Stück Heimat, es hat mit Heimatgefühl zu tun.“

Aktuelles Teilprojekt ist die Ausschreibung eines Gemäldewettbewerbs für ein Motiv aus dem Rittersaal. Hier treffen wir den majestätischen Löwen wieder, denn die Wahl fiel auf diesen Bildausschnitt, der in einer Größe von 1,2 x 1,6 Meter neu entstehen wird. Die dazu eingereichten verkleinerten Arbeitsproben wurden jetzt von einer Fachjury begutachtet. Ihre Mitglieder sind Prof. Michael Bette, Dozent für Gestaltung und Farbtheorie an der FH Potsdam, der Maler Günter Scharein (Einblicke in 40 Jahre Kreativität durch zwei große Ausstellungen jüngst in Berlin im EnBW Showroom und bei der Wall AG) sowie die international agierende Galeristin und Kuratorin Mariko Sakamoto. Die Experten wogen Farbnuancen, Auftragstechniken, Bildrhythmus und –stimmung zwischen Vorlage und Kopien ab, und filterten mit Detailgespür einen Favoriten heraus. Weitere Bewerbungen stehen noch aus, weshalb es ein zweites Votum geben soll, bevor der Auftrag zügig erteilt und ausgeführt wird.

Es wäre doch wunderbar, wenn der Löwe und seine Göttin in Zukunft wiedergeboren würden!

Silke Helling: die Autorin studierte Theologie und Geschichte und ist ausgebildete PR-Journalistin. Ehrenamtlich arbeitet sie als Pressereferentin des BPW (Business and Professional Women) Germany Clubs Berlin e.V.
Kontakt: Silke Helling, Alt-Stralau 26 in 10245 Berlin, Fon: 030 – 21 23 73 41, eMail: Silke.Helling@bpw-berlin.de

Weiterführender Link: http://www.stadtschloss-berlin.de/verein/rittersaal.html